Der Sennestadtverein

Arbeitskreis: Plattdeutsch und Brauchtum


Die Dreschmaschine

Wenn früher im Juli / August das Getreide auf den Feldern gemäht wurde, kam die große Dreschmaschine meist erst im Herbst zu den Bauern auf den Hof, um das Getreide zu dreschen

In den Kriegsjahren und danach bis 1960 gab es nur eine große Dreschmaschine für ein oder zwei Gemeinden. Da mussten die Bauern lange warten, bis sie an die Reihe kamen. Einige Bauern halfen sich selber, wenn sie in Nöten waren, wenn sie kein Stroh und Korn mehr hatten. Sie legten einige Bunde Roggen oder Hafer in der Scheune auf den Boden und droschen mit dem Dreschflegel so lange, bis das Korn heraus war. Dann schütteten sie das Korn mit der Spreu in die Wannemühle. Es wurde so lange gedreht, bis das Korn sauber war. Und wenn keine Wannemühle vorhanden war, wurde das Korn mit einem großen Sieb sauber gemacht. Es war eine schwere Arbeit.

Nun gab es aber vereinzelt kleine Dreschmaschinen. So eine hatte auch Bauer Westerwinter in Senne II. Dort konnten die Bauern hinfahren, wenn sie ein Fuder Getreide gedroschen haben wollten. Meine Eltern hatten eine Landwirtschaft in Lipperreihe. An einem Abend im August 1944 sagte mein Vater: „Das Stroh geht zu Ende und die Dreschmaschine kommt noch nicht. Wir müssen mal bei Bauer Westerwinter ein Fuder Roggen dreschen lassen.“ Als wir am andern Morgen den Wagen voll geladen hatten, fuhren mein Vater und ich von Lipperreihe nach Senne II. da meine drei Brüder im Krieg waren und schon einer gefallen war, musste ich meinen Eltern tüchtig in der Landwirtschaft helfen. Mein Vater und ich saßen oben auf dem Fuder Roggen. Die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel und es war sehr warm.

Als wir auf Dalbke bei Buschhof ankamen, war Fliegeralarm. Die Bundesstraße war ganz leer, so konnten wir gemütlich mit dem Pferdewagen darauf fahren. Als wir bei Niedermeier waren, flogen die ersten Bomberverbände über uns. Sie blitzten wie Silbervögel in der Sonne. Man hörte das schwere Brummen. Das war ein Zeichen, dass sie schwere Bomben geladen hatten. Wir hielten an der Straße unter einem Baum an. Wir stiegen von dem Fuder herunter. Ich hatte Angst und verkroch mich hinter dem Wagen. Mein Vater stellte sich dicht an einen dicken Baum. dann flogen die Flugzeuge auf Bielefeld zu.

Wir sahen die Angriffszeichen über Bielefeld. Mein Vater sagte: „ Jetzt greifen sie Bielefeld an.“ Ich hatte Angst. Dann kam der schreckliche Angriff auf Bielefeld. Es war ein Klirren, Klappern und Krachen. Ich lief hinter dem Wagen weg und warf mich in den Straßengraben. Mein Vater hielt das Pferd fest, damit es nicht wild wurde und türmen ging. Wir sahen wie über Bielefeld die Rauchwolken hochstiegen und der Himmel rötlich wurde. Mein Vater sagte:“ Was da wohl wieder viel Menschen umgekommen sind. Dann war alles ruhig. Auch war bald Entwarnung. Wir kletterten wieder auf den Wagen und fuhren Richtung Ramsbrock. Als wir bei Ramsbrock auf die Bahnhofstraße fuhren , jetzt Altmühlstraße, war der Weg bis Bauer Westerwinter nicht mehr weit. Als wir dort ankamen, stand Herr Westerwinter auf dem Hof. Wir fingen dann auch gleich mit dem Dreschen an. Ich warf die Bunde vom Wagen auf die Dreschmaschine. Mein Vater schnitt die Bunde auf und gab sie Herrn Westerwinter. Der warf sie in die Dreschmaschine. Bald war das Fuder gedroschen. Wir konnten mit Stroh und einigen Zentnern Korn wieder heimfahren.

Angela Flegel

Diese Seite wurde zuletzt am  19. Januar 2008   aktualisiert
Bei fehlenden Navigationsleisten: Home