Der Sennestadtverein

Arbeitskreis Plattdeutsch und Brauchtum


  

Mutter Gottfried

Wer hat sie wohl nicht gekannt? Weit und breit war sie bekannt!

Sie betrieb im Hause Nr. 113 eine Kaffeewirtschaft und schenkte nur alkoholfreie Getränke aus. Stillschweigend führte sie auch Bier und Schnaps. Das aus Sandstein gebaute Haus Nr. 113 gehörte zum Gut Thor in Lämershagen am Hellweg.

Hier in der einsamen Heide war im Sommer ein lebhafter Betrieb. In der Heide und den dichten Tannen waren überall Bänke und Tische aufgestellt. Auch Mittag- und Abendessen gab sie aus. Ihre Gäste waren meist Jugendliche, aber auch ältere Leute. Ihr Mittagessen machte sie absichtlich immer etwas zu salzig. Wenn sich darüber ein Gast beschwerte, dann schlug sie auf den Tisch: "Zum Donnerwetter, mein Bier muss doch auch alle werden! Sauf doch, dann geht das Salz weg."

Sie konnte das hiesige Platt, aber auch ein Kauderwelsch, besonders, wenn sie in Fahrt war und eine über den Durst getrunken hatte. Im "Forsthaus zur Heide" war dann immer was los. Sie trank mit der Zeit schon mehr als ihre Gäste. Nicht selten blieb sie total betrunken in ihrem "Forsthaus" liegen, und nicht selten zogen ihre Gäste ohne zu bezahlen auf und davon.

So kam es, wie es kommen musste, sie konnte ihre Lieferanten nicht mehr bezahlen.

Im "Lupinenkrug" in Lipperreihe hat sie das Zeitliche gesegnet. Ein Sennefreund aus Gütersloh hat damals ein Gedicht verfasst. Sie hat es eingerahmt in ihrer Stube hängen. Es wird heute wohl vergessen sein. Ich möchte es aber doch noch hier aufschreiben.

Nun grüßt so traut am Hellweg wieder,
die Forsthausschenke wohlbekannt.
Das Haus der roten Fensterläden,
in Kiefer, Heide und im Sand.
Und drinnen eine liebe Alte, fest, derb
und stets humorbegabt,
die Mutter Gottfried ohne gleichen,
wie oft hat sie mich schon gelabt.
Sie bringt mir Kaffee, bringt mir Kuchen
Und hält auch derben Mittagstisch,
und war ich halbtot von Beschwerden,
die Mutter macht mich froh und frisch.
So wandre ich fröhlich meiner Straßen
und ziehe grüßend meinen Hut
und rufe dann aus frohem Herzen:
"Bei Mutter Gottfried war es gut!"

(Verfasserin bitte melden)


Diese Seite wurde zuletzt am  19. Januar 2008   aktualisiert
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