Der Sennestadtverein

Arbeitskreis Plattdeutsch und Brauchtum


Weihnachten in der Senne in den 30er Jahren

Früher gab es zu Weihnachten immer viel Schnee und es war auch viel kälter als heute. 

Ich hatte drei Brüder und eine Schwester. Vierzehn Tage vor Weihnachten schrieben wir Kinder unsere Wunschzettel. Die legten wir abends auf die Fensterbank. Am anderen Morgen hatte das Christkind sie geholt.

Am Nachmittag des Heiligen Abends holte mein Vater aus unserem Wald einen Tannenbaum. Wir hatten einen Bauernkotten und wohnten in Stukenbrock-Senne, wo jetzt der Truppenübungsplatz liegt. Nun wurde der Baum schön geschmückt. Wir Kinder halfen mit. Meine Mutter war in der Küche beschäftigt mit Kuchenbacken und anderen Arbeiten.

Vor Weihnachten wurde jedes Mal ein besonders gründlicher Hausputz gemacht. Das Christkind kam damals in der Nacht. Deswegen stellten wir Heiligabend
unsere Teller auf. Neun Teller waren es bei uns, denn meine Oma und mein Opa lebten mit uns in dem Kotten. Sie waren die Eltern meines Vaters.
Wir mussten Heiligabend früh ins Bett, weil wir früh in der Nacht aufstehen mussten. Denn morgens um fünf Uhr fing die Christmette an. Da mussten wir hin.
Um ein Viertel nach drei Uhr wurden wir Kinder geweckt. Nur meine Schwester durfte weiterschlafen. Die war da noch zu klein. Sie ging noch nicht zur Schule.

Als meine älteren Brüder und ich aufgestanden waren, liefen wir zuerst in die Stube zu unseren Tellern. Unsere Freude war groß, wenn auch Spielsachen auf den Tellern lagen. Außer Süßigkeiten, Plätzchen und Nüssen bekamen wir was anzuziehen: Schal, Mütze, Handschuhe, Strümpfe usw. Als wir alles gesehen hatten, gingen wir zur Kirche.

Es war stockdunkel. Straßenlaternen gab es da noch nicht. Wir hatten einen weiten Weg. Dreiviertel Stunde mussten wir Gehen, bis wir zur Kirche kamen. Unterwegs trafen wir die Nachbarn. Einige hatten eine Taschenlampe mitgebracht. Das Gehen in dem tiefen Schnee war schwierig. Die Straßen waren so glatt! Es war ja kein Auto dort entlang gefahren. Es gab ja auch fast gar keine. In den Seitenwegen versackte man im Schnee. In der Kirche war es sehr feierlich.

Als wir dann von der Kirche zurück waren, stand jede Weihnacht ein Teller mit Kuchen in der Küche, wo wir dann essen konnten. Meine Oma und mein Opa gingen dann zum Hochamt, das um zehn Uhr anfing. Und die waren zu Mittag dann wieder zurück. Nachmittags spielten wir Kinder draußen im Schnee. Meine Eltern versorgten das Vieh. Abends wurden dann die Kerzen am Tannenbaum angezündet. Wir sangen Weihnachtslieder. Radio oder andere Musik hatten wir nicht. Wir hatten ja noch keinen Strom im Haus. Als dann 1939 der Krieg anfing, mussten wir alle 1940 wegen des Truppenübungsplatzes Stukenbrock-Senne verlassen. Wir zogen dann mit schwerem Herzen am 22. 10. 1940 nach Lipperreihe. Wo wir dann in einer fremden Gegend das erste Weihnachtsfest mit viel Heimweh an die verlorenen Heimat verbracht haben.

Angela Flegel 

Diese Seite wurde zuletzt am  19. Januar 2008   aktualisiert
Bei fehlenden Navigationsleisten: Home