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Arbeitskreis Studienreisen

 
Studienfahrt im Juni 2007: Pfalzen, Burgen, Stätten des Bauernkrieges
Geschichtliche Zusammenhänge

Wer kennt die Goldene Aue? Wer das Unstruttal ? Wer das Kyffhäusergebirge?
Hier im Grenzgebiet zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen wurde einst deutsche Geschichte geschrieben.

Heinrich I. (919 – 936 ), erster König des Deutschen Reiches (regnum Teutonicorum), verlegte als sächsischer Herrscher den Schwerpunkt seines Reiches vom Rhein an den Harz. Die Pfalzen in Memleben und Quedlinburg waren auch die bevorzugten Plätze der sächsischen Kaiser Otto I. ( 936 – 973 ) und Otto II. ( 973 -983 ). Nach seinem Sieg über die Ungarn bei Riade an der Unstrut im Jahre 933 sicherte Heinrich I. das Land durch Burgen und befestigte Plätze gegen weitere Einfälle der Ungarn ( z. B. Tilleda, Memleben, Allstedt, Goslar ). Tilleda war im 11. Jahrhundert eine bedeutende Residenz der „Reisekaiser“ und wird seit 1991 restauriert.

Eine vergleichbare Rolle spielte die Burg auf dem Kyffhäuser, wo Kaiser Barbarossa 1174 sein Heer zum Feldzug gegen Italien versammelte und 1194 der Streit zwischen Staufern und Welfen beigelegt wurde. Der Sage nach schläft Friedrich I. Barbarossa in diesem Berg und wartet auf die Wiedererstehung des Deutschen Reiches. 
Das von Otto II. in Memleben gestiftete Augustinerkloster wurde 1548 im Zuge der Reformation aufgehoben und der Landbesitz der neuen sächsischen Fürstenschule „Schulpforta“ übereignet.

Das nördliche Thüringen ist ein wichtiger Schauplatz des Bauernkrieges ( 1524 -1525 ). Thomas Münzer, ein wortgewaltiger Wiedertäufer und radikaler Sozialreformer prangerte als Pastor in Allstedt die Missstände der Grundherrschaft vor dem sächsischen Kurfürsten öffentlich an. Nach dem Sieg des Fürstenheeres über die Bauern bei Frankenhausen ( Mai 1525 ) wurde Thomas Münzer, inzwischen Pastor in Mühlhausen, gefangen und nach Folterung enthauptet.

Die Studienfahrt: Erster Tag

Diese und andere Zusammenhänge kennen zu lernen war Ziel der 11. mehrtägigen Studienfahrt des Kulturkreises und des „Freundeskreises Sennestadt“ vom 1. -3. Juni 2007. Der Reiseleiter kennt die liebliche, dörfliche und kleinstädtische , aber auch vom Bergbau geprägte Landschaft aus seiner Schulzeit. 34 Teilnehmer/innen wurden von Jürgen Adämmer über Kassel und das Eichsfeld zum Kyffhäuser gefahren. Dort wurde die Burgruine, das Denkmal für Kaiser Barbarossa und Wilhelm I. sowie die rekonstruierte Kaiserpfalz in Tilleda besichtigt.

Als ein ruhiges, angenehm geführtes Quartier war das Hotel Weinberg über dem Städtchen Arfern gewählt worden. Von dort hat man einen herrlichen Blick über die Goldene Aue, das Kyffhäusergebirge und das Bauernkriegmonument.

Die Studienfahrt: Zweiter Tag

Auf einer Rundfahrt besichtigten wir am 2. Juni die Klosterschule Roßleben mit ihrem Park und eindrucksvollem Barockbau ( 1554 gegründet durch die Familie von Witzleben ). In dieser Schule ( mit Internat ) lebt der Geist der Reformation ( ein Schüler Luthers war erster Rektor ) und des Humanismus vermischt mit preußischem Geist bis ins 20. Jahrhundert fort, weitgehend unbeeinflusst von der NS-Ideologie und der anschließenden sozialistischen Herrschaft.

Es folgte die Klosterruine Memleben aus dem 12./13. Jahrhundert mit Museum und der gewaltigen Kirche aus dem 10. Jahrhundert. Von dort ging es über die Unstrut nahe dem Fundort der Himmelsscheibe von Nebra zur Burg Querfurt, einer der größten Feudalburgen mit drei Türmen und zwei Ringmauern ( Anfänge aus dem 9. Jahrhundert). Als Beispiel interessanter Parkanlagen wurde diesmal das „Europa-Rosarium“ in Sangerhausen besichtigt. Zauberhafte Arrangements und Farben hunderter verschiedener Rosenzüchtungen ließen selbst die Führerin in Verzückung geraten.

Das Abendessen wurde im Ratskeller des noch mittelalterlich geprägten Zentrums von Sangerhausen eingenommen.

Die Studienfahrt: Dritter Tag

Auf der Rückfahrt am Sonntag wurden noch zwei Stätten des Bauernkrieges besichtigt: das „Elefanten-Clo“, so der Volksmund zum Gebäude für das „Bauernkriegs-Panorama“ auf dem Schlachtberg. Hier schuf der Maler Werner Tübke 1976 -87 eine Darstellung der gesamten Epoche Anfang des 16. Jahrhunderts und ihrer Persönlichkeiten.

Der zweite Punkt war die Altstadt von Mühlhausen, im Mittelalter freie Reichsstadt, mit schönen z. T. sanierungsbedürftigen Fachwerkhäusern und Kirchen, die teilweise schon anders genutzt werden.

Als Abschluss des Kulturprogramms hörten wir in Mühlhausen noch ein tolles Orgelkonzert mit dem Kantor Oliver Stechbart in der Divi-Blasii-Kirche, wo auch J. S. Bach 1707 / 08 als Kirchenmusiker wirkte.

Wahrlich drei ausgefüllte Tage, als wir gegen 21:30 Uhr wieder in Sennestadt landeten.

Ulf Eltze


Diese Seite wurde zuletzt am  30. Juli 2009   aktualisiert
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