Der Sennestadtverein
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Kulturreise 2016 nach Breslau

Kreisau - ein Besuch während der Rückfahrt

Die Internationale Jugendbegegnungsstätte „Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung“ (IJBS Kreisau) liegt in dem polnischen 200-Einwohner-Dorf Krzyżowa (Kreisau) rund 60 Kilometer südwestlich von Breslau.

Das weitläufige Gut war bis 1945 der Familiensitz der Adelsfamilie von Moltke. Unter anderem an diesem historischen Ort trafen sich die Mitglieder des Kreisauer Kreises um Helmuth James Graf von Moltke.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel die Anlage sehr, da die polnische sozialistische Regierung es nicht gern sah, dass an diesem Ort der deutschen und außerdem nicht-kommunistischen Opposition gedacht wurde. In dieser Zeit wurde das Gut als Landwirtschaftliche Genossenschaft (PGR) benutzt. Die einzelnen Häuser tragen noch heute – anknüpfend an ihre landwirtschaftliche Nutzung vor wie nach dem Zweiten Weltkrieg – Namen wie Kuhstall, Speicher oder Pferdestall.

 

Auf Gut Kreisau trafen sich am 12. November 1989 der polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl zu einer Versöhnungsmesse. Die bereits bestehenden Pläne, das Gut grundlegend zu sanieren und eine Internationale Jugendbegegnungsstätte zu eröffnen, genossen von diesem Zeitpunkt an die Rückendeckung beider Regierungen. Finanziert wurde die Renovierung überwiegend durch die „Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit“. 1998 wurde die Begegnungsstätte offiziell eröffnet. Bei der Eröffnungszeremonie waren die Witwen Freya von Moltke, Clarita von Trott zu Solz und Rosemarie Reichwein sowie die Protagonisten der Versöhnungsmesse 1989, Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki, anwesend.

Schloss Kreisau - mit Besichtigungsgruppe

Tagungs-Saal

Der Kreisauer Kreis war eine bürgerliche Widerstandsgruppe, die sich während der Zeit des Nationalsozialismus mit Plänen zur politisch-gesellschaftlichen Neuordnung nach dem angenommenen Zusammenbruch der Hitler-Diktatur befasste.

Der Kreis, dessen Führungspersönlichkeiten Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg waren, bildete sich im Jahr 1940. Freya von Moltke organisierte mit Gleichgesinnten drei Zusammenkünfte im Mai 1942, Oktober 1942 und Juni 1943 mit dem Ziel, Gesellschaftsentwürfe für eine Nachkriegszeit zu erstellen. Nach der Verhaftung Moltkes Anfang 1944 löste sich der Kreisauer Kreis de facto auf, einige Kreisauer schlossen sich der Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg an. Nach dessen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gelang es der Gestapo, die Arbeit des Kreises aufzudecken. Sie nannte die Widerstandsgruppe nach Moltkes Gut Kreisau in Schlesien „Kreisauer Kreis“ – vermutlich wurde der Begriff von Theodor Haubach während seiner Vernehmungen benutzt – und prägte damit den Namen, der später Eingang in die Geschichtsschreibung fand.