Der Sennestadtverein
Der Sennestadtverein

Kulturreise 2016 nach Breslau

Eine sehr launige Reisebeschreibung von Thomas Kiper:

(etwas gekürzt)

 

Breslau

Wir durften ihn mit Michael anreden und schlossen ihn in unser Herz. Fast 2000 km fuhr er uns ruhig, sicher und zielstrebig. Auf den ersten Blick wie ein Schwerathlet, fast ein Rausschmeißertyp, aber dann – umsichtig, zugewandt, neugierig, teilnehmend, helfend, erklärend. Michael gehörte zu unserer 32-köpfigen Reisegruppe wie selbstverständlich dazu. Herzlichen Dank, Michael!

 

Breslau, die Metropole

Der erste Rundgang in Breslau machte jedem klar: Breslau ist nicht einfach eine Großstadt etwa wie Bielefeld oder - sagen wir – Hannover, nein, Breslau ist eine Metropole. Will man nur die Altstadt umrunden, was auf wunderschönen Wegen entlang der Oderarme geht, braucht man zwei Stunden. 70 Kirchen stehen in dieser Stadt, gegen Ende des 19. Jahrhunderts war sie drittgrößte Stadt Deutschlands (knapp hinter Hamburg), heute ist sie mit 630.000 Einwohnern die viertgrößte Polens. Wir sind umgeben von fünfgeschossigen Häusern, Palästen, gewaltigen Neubauten, von großen städtischen Parks, von dicht aufeinanderfolgenden Trams, unzähligen Autos, Autobussen und (einigen) Fahrrädern, vielen, vielen Baustellen. Es wimmelt von Sehenswürdigkeiten aus vielen Jahrhunderten. Zum Beispiel dem „Renova“, ein riesiges Kaufhaus im Bauhausstil, das 1929 eröffnet wurde.

 

Trauriges Hotel, gute Laune

A propos wohnen: Unser Hotel Polonia (einst Hotel Vier Jahreszeiten) hat seine Glanzzeiten hinter sich. Die einst schönen Flure wirken bedrückend düster, die Servicekräfte bleiben in ihrem Schneckenhaus, der überlastete Kaffeeautomat im Frühstückssaal ist so platziert, dass auch der Zugang zum Teewasser versperrt ist. Der guten Laune beim Frühstück tut das zum Glück fast keinen Abbruch. Da unsere Reisegruppe zu 60 Prozent aus Sennestädtern besteht, die übrigen sind Gäste, ergibt sich die Gelegenheit, aus Fremden neue Bekannte zu machen. Alle Mitreisenden sind offen für alle, so dass sich nach kurzer Zeit eine Gemeinschaft gebildet hat. Und dann der Schreck beim Abendessen, als eine ältere Sennestädterin in voller Länge in den Speisesaal stürzte, kopfblutend hochgehoben und nach kurzer Beratung von Dirk Ukena ins Krankenhaus gebracht wurde. Zum Glück konnten keine schlimmeren Schäden als die Platzwunde und die Blutergüsse festgestellt werden.

 

Eva: Witz und Wissen

Eine kleine, unscheinbare Person empfängt uns vor dem Hotel. Wie alt ist sie? Kann man nicht sagen. Man könnte sie leicht übersehen, wären da nicht ihr großes Wissen und ihr Sprachwitz: Dank ihres tragbaren Mikrofons spricht sie erfolgreich auch gegen tosenden Verkehrslärm an, flugs organisiert sie den Zugang zu Kirchen, Museen, Gasthäusern, und in kurzer Zeit berichtet sie in nahezu fehlerfreiem Deutsch gut 150 Prozent dessen, was wir schon immer wissen wollten. Eine Ballade trägt sie auf Deutsch so schön vor, dass ich neidisch werde auf dieses Talent. Und dann war Eva wohl auch die Strippenzieherin bei den beiden Menüs, die wir in wirklich guten Restaurants in der Alten Börse und im Greifenhaus am zweiten und vierten Tag bekamen. Neben Michael war Eva die zweite Person, die wir alle in unser Herz geschlossen haben.

 

Dirk Ukena und das Programm

Unser Reiseleiter, Dirk Ukena, hat schon unzählige Studienfahrten organisiert. Die Zusammenarbeit mit dem Sennestadtverein ist aber noch jung. Wir Sennestädter beschnuppern ihn, er seinerseits versucht, die „DNA des Sennestadtvereins zu erforschen“, wie er sagt, um unsere Bedürfnisse noch besser erfüllen zu können. Für mich war es die erste Fahrt mit Dirk Ukena: Ich bin begeistert und dankbar, dass wir ihn als Partner für unsere Kulturfahrten gewonnen haben. Er nimmt uns die Last der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung ab, wir äußern nur unsere Wünsche. Wo er uns hinführt, da will er uns erstens das Bekannte bieten, wie jedes Reiseunternehmen auch, das eine Reise nach Breslau anbietet: das grandiose Rathaus, die Dominsel und die anderen ehrwürdigen Kirchen, die Universität mit ihrer berühmten Aula, das Schloss, die Oderbrücken und, und, und. Doch damit ist es für Dirk Ukena nicht getan, er setzt ein paar zusätzliche Akzente und macht dadurch unsere Reise zu einer ganz besonderen. So haben wir auf der Rückfahrt mit einem ordentlichen Umweg Kreisau kennengelernt. Dort trafen sich Hitlergegner, um zu planen, wie nach der Niederlage des „Tausendjährigen Reichs“ ein liberales Deutschland in die Staatengemeinschaft zurückkehren könnte. Fast alle wurden hingerichtet. In Kreisau trafen sich Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident Tadeusz Masuwiecki; das war ein wichtiger Schritt bei der Versöhnung zwischen den beiden Völkern.

 

Breslau und sein Werkbund

Nach der Jahrhunderthalle, die 1913 entstand, besuchen wir noch die WUWA, die internationale Versuchssiedlung von 1929. An diesem und weiteren Beispielen bringt unser Reiseleiter uns die bedeutende Rolle Breslaus für die moderne Architektur nahe. Neben Dessau war Breslau Zentrum der innovativen Baukunst, hier wirkte der Werkbund, ein dem Bauhaus ähnlicher Zusammenschluss.

Ein weiteres Beispiel für ein „besonderes Etwas“ war der Abstecher zu einer (kurz vor dem Abriss stehenden) Spinnerei, die unverkennbare Ähnlichkeit mit der Ravensberger Spinnerei aufweist. In Erdmannsdorf baute Ferdinand Kaselowsky für den preußischen König in der Nähe seiner schlesischen Sommerresidenz eine Fabrik. Später baute er in Bielefeld.

 

Zwanzig vor neun

Auf der Rückfahrt versorgt uns Michael neben Kaffee und Heißwürstchen mit Heimkehrprognosen. Die letzte Prognose wird dann eintreffen: 20:40 Uhr. Die Reisegruppe ist zusammengewachsen, wir plaudern, resümieren oder dämmern vor uns hin. Auf Michael werden gleich zwei Lobreden gehalten, der Beifall ist groß. Noch ein Blick aus dem Fenster auf Leuna, und noch einer auf den Kyffhäuser. Rückkehr, herzliche Verabschiedung.

Das Reiseprogramm

1. Tag: Anreise

 

Nach der Ankunft haben Sie eventuell noch Zeit für einen ersten Rundgang durch die Altstadt.
Das Abendessen findet im Hotel statt.

2. Tag: Stadtführung Breslau

 

In Breslau schlängeln sich die Oder und ihre Nebenflüsse malerisch durch die Kulturstadt und machen sie zu einer der größten Brückenstädte Europas. Einige Sehenswürdigkeiten:

  • Das bedeutendste Baudenkmal ist das gotische Rathaus am Marktplatz.
  • An der Südseite des Gebäudes befindet sich der berühmte Schweidnitzer Bierkeller.
  • Am Ufer der Oder liegt die Universität mit der kunstvoll ausgemalten "Aula Leopoldina".
  • Sie besuchen die Storchen-Synagoge und es wird ein Gespräch mit einem Mitglied der Gemeinde geben.

Während einer Stadtführung werden Sie viel über die schlesische Metropole erfahren.

3. Tag: Riesengebirge und Schlesisches Elysium

 

Der touristisch wichtigste Ort ist Krummhübel/Karpacz. Der Ort zieht sich in Serpentinen entlang der Straße nach Brückenberg/Karpacz Gorny hoch zur Hauptattraktion, der Stabholzkirche Wang. Auf verschlungenen Pfaden kam das norwegische Gotteshaus ins Riesengebirge und erfreut seine Besucher mit geflügelten Drachen, stilisierten Elchen und ineinander verflochtenen Schlangen.

 

Nach dem Kaffeetrinken im Schloß Stornsdorf geht die Fahrt nach Hirschberg/Jelenia Gora. Dort können Sie an einer Stadtführung teilnehmen.

4. Tag: Architektur in Breslau

 

Der Vormittag steht ganz im Zeichen der Breslauer Architektur im Wandel der Zeit.

  • Schwerpunkt ist die Jahrhunderthalle und die Versuchssiedlung WUWA im Scheitniger Park.
  • Ein Besuch im Historischen Museum mit der Ausstellung "1000 Jahre Breslau". Es werden über 3000 Objekte der Breslauer Geschichte vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart gesammelt.

Der Nachmittag steht für eigene Besichtigungen zur Verfügung.

5. Tag: Rückfahrt

 

Wir besuchen das Gut Kreisau - einen Ort für die deutsch-polnische Verständigung