Der Sennestadtverein
Der Sennestadtverein

Kunstprojekt "Vor-Ort"

Rede zur Eröffnung der Ausstellung „VORORT“ auf dem Schulhof der Adolf-Reichwein-Schule  am Sonntag, dem 25. Mai 2014, 11:30 Uhr  

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

 

als die Frage gestellt wurde, welchen Beitrag Sennestadt für die 8oo-Jahrfeier der Stadt  Bielefeld leisten könne, hatte Horst Thermann sogleich die Antwort parat: „Wir veranstalten eine fünfte Ausstellung „skulptur aktuell“.
In Vorgesprächen mit Dr. Witthaus gewann der Gedanke schnell festere Gestalt. Der Beitrag wurde jedoch nicht als ein „Leuchturmprojekt“ der Stadt Bielefeld eingestuft. Damit musste der Sennestadtverein - wie schon vorher – die Organisation übernehmen und die Finanzierung möglich machen.
Immerhin war der Vorschlag von Horst Thermann grundsätzlich akzeptiert, passte er doch sehr gut in das Projekt „kulturelle Stadtentwicklung“ und setzte in Sennestadt eine bewährte Tradition mit überregionalen Kunstausstellungen fort.
Die Stadt Bielefeld beteiligte sich deswegen auch mit einem bedeutenden Betrag an der Finanzierung dieser Ausstellung, wofür ich dem zuständigen Dezernenten, Herrn Dr. Witthaus, - den ich hier herzlich begrüße - ausdrücklich danken möchte.

Zu dem beschwerlichen aber schließlich erfolgreichen Weg der Finanzierung der Ausstellung wird Herr Dr. Berger als Vorsitzender des Sennestadtvereins gleich noch Genaures sagen.

Ich möchte hier nur betonen, dass mich die Tatsache, dass so viele große und kleine Spenden aus Sennestadt und Bielefeld für unsere Ausstellung zusammen gekommen sind, mit Dankbarkeit und Stolz erfüllt:

  • Dankbar bin ich, weil durch die Spenden überhaupt erst dieses fünfte Kunstprojekt in Sennestadt verwirklicht werden konnte.
  • Stolz bin ich, weil diese Spenden Ausdruck eines lebendigen Bürgersinns sind, ohne den Gemeinwesen wie Sennestadt und Bielefeld nicht existieren können.

Solchen  Gemeinsinn wach zu halten und das Engagement für unsere Sennestadt ständig zu stärken, ist vor allem auch eine Aufgabe der Kommunalpolitiker/innen.
Die Sennestädter Bezirksvertretung hat deswegen das Projekt von Anfang an unterstützt.

 

Dass aber „VOR ORT“ so wie geplant realisiert werden konnte, ist auch die Folge der konstruktiven Zusammenarbeit

  • des Sennestadtvereins,
  • der Bezirksvertretung und
  • des Bezirksamtes.

Ohne diese Kooperation zwischen Bürgerverein, Politik und Verwaltung wären in den vergangenen Jahren viele Projekte nicht verwirklicht worden.
Deswegen sage ich hier einen besonderen Dank an den Vorstand und die Mitarbeiter des Sennestadtvereins, an Eberhard Grabe und Ulrike Volkmer und alle anderen Mitarbeiter/innen des Bezirksamts, die alle unverzichtbare praktische Vorarbeiten für das Gelingen der Ausstellung geleistet haben.

 Die Entstehung der Ausstellung

 

Nun können wir also wieder einmal eine Ausstellung im öffentlichen Raum in Sennestadt eröffnen, die unser Alleinstellungsmerkmal als ein Stadtteil mit zahlreichen sichtbaren und frei zugänglichen Skulpturen unterstreicht.
Es ist eine von Prof. Reichow angelegte und in allen Jahren immer wach gehaltene enge Verbindung der Sennestadt zur Kunst im öffentlichen Raum, die zu diesem einmaligen Ergebnis geführt hat.
Prof. Reichow hat die Theorie zu seiner Arbeit als Stadtplaner 1948 in seinem Buch mit dem Titel „Organische Stadtbaukunst“ zusammengefasst.
Stadtarchitektur wird von Reichow als Kunst, - Reichow spricht sogar von der „Königin der Künste“ - als höchster Ausdruck menschlichen Handelns verstanden und in einen Zusammenhang gebracht zur  „organischen“ Umwelt, zur Landschaft, in die hinein er unsere Stadt gebaut hat.
Die tote Materie der Häuser und Straßen sollte zu einem „organischen“ Bestandteil der umgebenden Natur werden.
Die Natur selbst gibt die Formen der Stadtarchitektur vor, wie z. B. die Straßenführung in Sennestadt in der Form der Adern eines Blattes. Dieses Thema hat Arne Schmitt aufgegriffen.
Die in der Stadt lebenden Menschen sollten das steinerne Gehäuse bei der Verfolgung ihrer Wohn- und Lebensbedürfnisse mit Leben füllen, emotional als ihre von ihnen selbst zu gestaltende Lebenswelt begreifen und organisch weiterentwickeln.
Wenn wir heute im Rahmen von Stadtumbau West / Soziale Stadt als Zielvorstellung Reichow für das 21. Jahrhundert formuliert haben, dann stehen wir ganz bewusst in dieser Denk-Tradition unseres Stadtgründers mit dem Auftrag, seine Ideen zeitgemäß weiterzuentwickeln.

 

Organische Stadtbauplanung

Seit alters schmücken Architekten ihre Bauwerke mit Kunstwerken, gestalten die städtischen Freiräume in unterschiedlicher Weise künstlerisch aus.
Wir in Sennestadt haben – wie ich schon sagte - das Glück, dass von Anbeginn die Forderung, einen kleinen Teil der Baukosten öffentlicher Gebäude für die Anschaffung von „Kunst im öffentlichen Raum“ zu verwenden, erfüllt wurde. Die enge Zusammenarbeit von Reichow mit dem Künstler Bernhard Heiliger (Kosmisches Raumelement) ist nur ein Beispiel dafür.

So haben wir in mehr als 50 Jahren eine „öffentliche Skulpturenausstellung“ erworben, die in exemplarischer Weise den Wandel der Kunst in ihrer Auseinandersetzung mit dem Bild des Menschen  und  in ihrer Reaktion auf das sich schnell ändernde urbane Umfeld dokumentiert.
Die heute beginnende Ausstellung schließt mit ihrem Titel eng an diese Tradition an. „VOR ORT“ bedeutet hier, dass die beteiligten Künstlerinnen  und Künstler ihre Werke dem Ort zugedacht haben, an dem wir ihnen in den nächsten Monaten begegnen können.
Die Werke sind daher nicht beliebig zu versetzen oder mehrfach an anderen Orten auszustellen.
Diese Werke gewinnen ihren Sinn durch den Blick von außen auf unsere Sennestadt, durch die Auseinandersetzung mit elementaren Fragen an eine zeitgemäße Stadtarchitektur am Beispiel Sennestadts. Somit eröffnen sie uns die Chance, unser Stadt in einer neuen Perspektive gleichsam von außen zu sehen.

Kunst am Bau und im öffentlichen Raum

 

Mit der Ausstellung „VOR ORT“ ist dem Kurator Thomas Thiel, dem Direktor des Bielefelder Kunstvereins, ein großer Wurf gelungen.
Unsere Kräfte in Sennestadt hätten nicht ausgereicht, eine Ausstellung dieser Qualität zusammenzubringen. Thomas Thiel besitzt die Kontakte zu wichtigen Vertretern moderner Kunstrichtungen, die bereit waren, sich auf das schwierige Thema einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem städtebaulichen „Kunstwerk Sennestadt“ einzulassen.
Herrn Thiel gebührt daher unser aller Dank für die gelungene Kuratierung dieser Ausstellung „VOR ORT“.

Ein ganz besonders Willkommen und einen herzlichen Dank richte ich zum Schluss an die beteiligten Künstlerinnen und Künstler:

  • David Adamo
  • Awst & Walther
  • Michael Beutler
  • Andreas Bunte
  • Christian Falsnaes
  • Manfred Pernice (heute nicht anwesend)
  • Arne Schmitt
  • Katerina Seda (heute nicht anwesend).


Ich hoffe, dass Ihnen die Planung für Ihre Werke „VOR ORT“ Freude gemacht hat und wünsche, dass Ihre Exponate und Performances ein weites, positives Echo finden werden.

 

Dank an die Organisatoren und Künstler
Elke Klemens, Bezirksbürgermeisterin