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| Stadtumbau West - "und er bewegt doch was" |
| Tut sich was in Sennestadt? |
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| Sennestadt scheint den Schwung des Anfangs gänzlich verloren zu haben |
| Mitbürger aus der Gründerzeit blicken wehmütig zurück auf die Aufbruchsstimmung der 60er Jahre, auf das überall spürbare „Wir-Gefühl“, auf das blühende Leben in der jüngsten Stadt Deutschlands mit der jüngsten Bevölkerung. Das Ende der Entwicklung kam nach übereinstimmender Meinung der „Alten“ mit dem Verlust der Selbständigkeit und der Eingemeindung nach Bielefeld. |
| Unbestritten ist, dass die Stadt Bielefeld Jahrzehnte lang Sennestadt als saturiert betrachtet hat und deswegen keine neuen Baugebiete ausgewiesen hat oder Infrastrukturmaßnahmen größeren Umfangs (ÖPNV, Industrieansiedlung) ergriffen hat. Doch stellen wir uns einmal vor, Sennestadt wäre als selbständige Stadt ausschließlich auf seine eigene Wirtschaftskraft angewiesen gewesen, hätte z. B. alle Sozialausgaben, alle Ausgaben für die Schulen, die Straßen und die sonstigen kommunalen Aufgaben aus eigenen Einnahmen bestreiten müssen, dann wären wir heute sicher pleite. |
| Wir müssen das Bild „Ohne die Eingemeindung gäbe es eine blühende selbständige Sennestadt“ endgültig begraben |
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Verstellt wird der Blick der Gründergeneration auf die heutige Sennestadt
auch durch die Verknüpfung des eigenen Lebenslaufs mit der Entwicklung des
Wohnumfeldes. Als junge Leute in der Phase der Berufs- und Familiengründung
haben sie ganz nebenbei im öffentlichen Bereich vieles mitgestaltet, was zur
Komplettierung ihrer eigenen Vorstellungen zu einem funktionierenden
Gemeinwesen gehörte. So engagierten sich die neu entstandenen Serviceclubs bei Stadtfesten, bauten Spielplätze aus, engagierten sich im Sozialbereich. Die Werbegemeinschaft war aktiv und kein Verein hatte über zu geringe Mitgliederzahlen zu klagen. Der Kulturring hatte volle Veranstaltungssäle. |
| „Heute hat sich leider alles geändert“ – aber nicht nur in der Sennestadt |
| Unsere Sennestadt liegt nicht auf einer Insel der Seligen, sondern erlebt und erleidet alle Höhen und Tiefen einer im Umbruch befindlichen Industriegesellschaft, die sich noch nicht darüber klar ist, welche Maßnahmen angesichts der Globalisierung, der rasant steigenden Weltbevölkerung und der Strukturkrise des Kapitalismus die für ihr Überleben richtigen sind. |
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Es kann nicht unsere Aufgabe sein, die genannten strukturellen Probleme der
Welt von Sennestadt aus zu lösen Diese Tatsache entbindet uns allerdings nicht davon, in dem uns zugewiesenen Wirkungskreis verantwortlich zu handeln. Handeln können aber nur diejenigen, die die geänderten Rahmenbedingungen wahrnehmen und auf dieser Grundlage die Zukunft konstruktiv mitgestalten wollen. |
| Was hat sich grundlegend geändert? |
| Als erstes ist der demographische Aufbau der Sennestädter Bevölkerung zu nennen. Wir haben bei uns den größten Anteil von Menschen über 60 Jahren verglichen mit der Gesamteinwohnerschaft in ganz Bielefeld. Wir sind also ein überalterter Stadtteil. Gleichzeitig hat Sennestadt den größten Anteil an jungen Menschen zwischen 0 und 20 Jahren bezogen auf Bielefeld. In Sennestadt leben vergleichsweise viele Hartz IV- Empfänger und viele Menschen mit Migrationshintergrund. Auf Sennestadt trifft also in ganz besonderem Maße zu, was für die gesamte Bundesrepublik gilt: Wir werden älter und bunter. |
| Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten 20 Jahre jedoch ist nicht ohne Auswirkungen auf Sennestadt geblieben |
| Die stagnierenden Einkommen der Mehrheit der Bevölkerung schwächen die Kaufkraft
und damit die Überlebensmöglichkeiten der
inhabergeführten Läden. Der Discounter auf der grünen Wiese befriedigt heute alle Lebensbedürfnisse und das immer billiger – leider auf Kosten der Umwelt und der Lebensbedingungen der Menschen in den Entwicklungsländern. Wer diese Entwicklung bedauert, hätte immer beim kleinen Kaufmann an der Ecke einkaufen sollen. Diese Nahversorger sind aber alle mangels Nachfrage inzwischen eingegangen. Die leeren Läden in unseren Einkaufsstraßen sind also nicht das Ergebnis falscher Verkaufsstrategien der Inhaber, sondern Folge eines geänderten Einkaufsverhaltens einer immer ärmeren und (noch) sehr mobilen Bevölkerung. Ein Zurück in die Idylle der voll versorgten Quartierszentren wird es so schnell nicht geben. |
| Wie die wirtschaftlichen Grunddaten, so hat sich auch das Sozialverhalten der Menschen stark gewandelt |
| Eine bunte, mobile, digital vernetzte und hoch individualisierte
Gesellschaft hat andere Vorstellungen vom sozialen
Miteinander und schafft sich andere Lebensräume, als es die Generationen in
der Vergangenheit getan haben. Wie im Supermarkt vor
der Stadt, so bedient man sich auch im Sozial- und Kulturbereich auf dem
Markt der überreichen Angebote. Der Kulturkreis in
Sennestadt steht deswegen in direkter Konkurrenz zum Kulturangebot in
Bielefeld, dem Fernsehen und dem Internet und damit auf
verlorenem Posten. Die Kunst des Überlebens besteht im Ausweichen auf
Nischenangebote.
Die soziale Bindekraft der Nachbarschaft, ein Grundelement der Reichowschen Städtebauphilosophie, hat sehr stark abgenommen, besteht oft nur noch als Rest aus der Gründerzeit fort. |
| Was folgern wir daraus für unsere Handlungsmöglichkeiten? | |
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Sicher hilft es gar nichts, wenn wir den vorgefundenen Zustand beklagen und
einer verklärten Vergangenheit nachtrauern. Wir sollten vielmehr immer dann, wenn wir Entwicklungen nicht gut heißen können, Alternativen ausdenken und aktiv für ihre Durchsetzung eintreten. Das setzt natürlich persönliches Engagement und Zivilcourage voraus, Eigenschaften, die in der beschriebenen Gesellschaftsstruktur immer seltener werden. In diese wenig erfreuliche Lage der Sennestadt hinein eröffnete sich vor drei Jahren die Chance einer aktiven Einflussnahme auf die laufenden Entwicklungen durch die Teilnahme unseres Stadtbezirks am Programm „Stadtumbau West“. Es gelang tatsächlich, große Teile der Bevölkerung an der Formulierung von Zielen zu beteiligen und Strukturen zu entwickeln, die eine Mitwirkung breiterer Bevölkerungskreise ermöglichen. Ergebnisse dieser Workshops, Aktionstage und Infoveranstaltungen sind umfangreiche Forderungskataloge, weniger sichtbare Projekte oder konkrete Veränderungen. Dennoch muss entschieden der Behauptung entgegengetreten werden, dass sich nichts getan hätte.
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| Eine kurze Aufzählung der bereits umgesetzten Maßnahmen kann den Fortschritt im Stadtumbauprozess belegen: | |
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| In den nächsten Monaten werden folgende Arbeiten in Angriff genommen werden: | |
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| Diese nicht ganz vollständige Aufzählung macht deutlich, an wie vielen Stellen in Sennestadt durch das Stadtumbauprojekt Veränderungen angestoßen und Verbesserungen erzielt worden sind. | |
Zusätzlich zu den genannten städtebaulichen Maßnahmen sind Fragen zur
Verbesserung des Images von Sennestadt und zur besseren Vermarktung der
Vorzüge der Sennestadt bearbeitet worden:
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| Es bewegt sich also vieles in Sennestadt | |
| Wer Veränderungen zum Besseren wünscht, sollte sich tatkräftig einbringen. Schließlich haben wir Bürgerinnen und Bürger es selbst in der Hand, das Leben in unserer Stadt so zu gestalten, dass wir uns in ihr wohl fühlen. | |
| Ulrich Klemens | |
Diese Seite wurde zuletzt am 17. Dezember 2011 aktualisiert
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