Der Sennestadtverein
Der Sennestadtverein

Arbeitskreise - Natur und Wandern

Bereich "Natur"

Was geht ab im Bullerbach

Mit Kindergruppen der Matthias-Claudius-Kita im Bullerbach

Der Arbeitskreis Natur und Wandern des Sennestadtvereins veranstaltete an drei Donnerstagen im Mai und Juni eine gemeinsame Aktion mit der Matthias-Claudius- Kita. Im naturnahen, sandigen Bullerbach stapften die fünf- und sechsjährigen Kindergartenkinder herum, um mit kleinen Sieben die Lebewesen aus unserem Sennebach zu fischen. Mit weichen Pinseln und unter Bewunderung der Freunde wurden die Tierchen dann in die Becherlupen bugsiert, um sie genauer zu betrachten. Unter der fachkundigen Leitung von Erika Petring bestaunten die Kinder Napfschnecken, Eintagsfliegenlarven und Schneckenrollegel. »Die krabbeln ja wie wild! Und immer zu zweit, ein kleiner und ein großer!« Das war die Erkenntnis der kleinen Forscher zu den vielen stets paarweise auftretenden Bachflohkrebsen.  Die Betreuer schmunzelten über so manchen Ausspruch von Kindern: »Keine Sorge, die tun nichts. Die sind ja so klein, die haben Angst vor UNS!«

 

Wie emsig waren die Kinder bei der Suche! Mit viel Geschick fanden sie die Verstecke der Bachbewohner heraus, zwischen allerlei Stöcken und Blättern am Ufer, sogar in aufgeplatzten Eicheln, die im Wasser lagen.

 

Was krabbelt da heraus?

Manch ein Tierchen wurde aus dem Wasser gefischt, mit der Lupe bestaunt und für eine kurze Zeit in einer durchsichtigen Wanne aufbewahrt. Als Thomas Kiper einen dicken Stein aus dem Bach hob und umdrehte, war die Entdeckerfreude groß. Das hatten die Kids nicht erwartet: So viele winzige Schnecken und Krebse kamen zum Vorschein! Einzelne Köcherfliegenlarven sorgten für Überraschungen, dachten die Kids doch zunächst, nur ein Stöckchen aus der sanften Strömung gefischt zu haben. Und plötzlich krabbelte eine Larve aus dem hohlen Stängel hervor.

Mit Gummistiefeln und Regenhosen

Nur ganz vereinzelt gab es skeptische Bachbesucher. Sie schauten dem Treiben erst einmal zu, standen aber mit Interesse ganz dicht dabei und wurden schließlich durch die Begeisterung der anderen mit einbezogen. Alle waren konzentriert bei der Suche. Ganz vereinzelt platschte und spritzte es mal, niemand schubste, keiner fiel ins Wasser.

 

Unter der Aufsicht ihrer Erzieherinnen und bestens ausgestattet mit Gummistiefeln und Regenhosen waren die Ausflüge an den Bach  ein besonderes Erlebnis für die Kinder: Interesse an der Natur, Zusammenarbeit mit den »Forscherkollegen« bezüglich der Werkzeuge und beim Aufspüren der Tiere, behutsamer Umgang mit den Lebewesen und Vorsicht im Bach und am feuchten Ufer: Was konnten sie hier alles lernen! Manche Mädchen und Jungen versuchten sogar, »ihre Tiere« auf den mitgebrachten Informationstafeln wiederzufinden und fragten nach den Namen. Am Schluss wurde der gesamte Fang selbstverständlich wieder vorsichtig in den Bach entlassen. »Du, ich habe heute Geburtstag, und das ist besonders toll, dass wir  gerade jetzt so einen schönen Ausflug machen« – so der Kommentar eines Jungen beim ersten Termin im Mai.

 

Zurück in der Kita hieß es: Ab in den Waschraum und umziehen! Es war ja für alles gesorgt, kein nasses Füßchen und keine dreckige Hose bildete ein Problem.

 

Erika Petring, Thomas Kiper und Sigrid Rethage konnten derweil die vielfältigen Begleitmaterialien ansehen, die die Erzieherinnen – insbesondere mit den künftigen Schulanfängern – bearbeitet und ausgestellt hatten. Diese Aktionen waren eine Freude für alle Beteiligten.

 

Sigrid Rethage

Wie viele Spatzen gibt es noch in Sennestadt?

Der Arbeitskreis Natur und Wandern spürt dem Haussperling nach und fördert ihn

Aufzeichnen

Holz zusägen

Einfluglöcher fräsen

Zusammenfügen

Schild anbringen

fertig ist der Doppelnistkasten

Der Arbeitskreis Natur und Wandern spürt dem Haussperling nach und fördert ihn
Wie viele Spatzen gibt es noch in Sennestadt?

Der Arbeitskreis Natur und Wandern des Sennestadtvereins besteht nunmehr seit drei Jahren. Unterschiedlichen Projekten und Aufgaben hat er sich in dieser kurzen Zeit gestellt: Ob es gegen das übermäßige Entenfüttern an den Teichen in Sennestadt oder für den Erhalt des naturschutzwürdigen Strothbachwaldes ging. Gemeinsam mit Schülern der Brüder- Grimm-Schule bzw. der Hans- Christian-Andersen Schule sind zwei große Insektenhotels aufgestellt worden. Unter dem Motto »saubere Sennestadt« wird jährlich eine Aufräumaktion entlang des Bullerbaches durchgeführt. Zahlreiche geführte Wanderungen und Radtouren bilden das Hauptprogramm.

 

Helft den Spatzen!

In diesem Jahr wurde das »Spatzenprojekt« angestoßen. Der Haussperling (mit wissenschaftlichem Namen passer domesticus), der in Sennestadt leider nur noch lokal anzutreffen ist, war in den 1950er Jahren eher eine Plage in der Landwirtschaft. Er ist Allesfresser mit einer Vorliebe für Getreide, das er auch gerne am Futterplatz nimmt.

 

Bei der bundesweiten Vogelzählung 2015 »Stunde der Gartenvögel« belegt er nun doch wieder den dritten Platz in Bielefeld. Jedoch ist der Trend zum vergangenen Jahr leicht rückläufig. Die Gründe dafür liegen im Rückgang des Nahrungsangebotes an Fluginsekten, vor allem aber am Verlust seiner Nistmöglichkeiten durch umfassende Gebäudesanierung, die Mauerritzen und Nischen zunehmend verschwinden lässt.  Wichtig sind für den Sperling reiche Strukturen wie alte Bäume, Sträucher, Stauden, heimische Pflanzen, offene Bodenstellen und ein ausreichendes Nistplatzangebot auch im Siedlungsbereich.

Unser Arbeitskreis hat sich für 2015 die Aufgabe gestellt, das Spatzenvorkommen in Sennestadt zu sichern und zu fördern. Ein informativer Film sowie eine einjährige Erfassung der geselligen Vögel stand deshalb im Vordergrund.

Ansturm auf unsere Nistkästen

Als zweiter Schritt folgte die Herstellung von künstlichen Nisthilfen, die besonders für Spatzen geeignet sind. Ein Doppelnistkasten, bestehend aus zwei nebeneinander gebauten Einzelkammern war bei der Planung der Favorit. Denn Spatzen lieben es bekanntlich gesellig. Da die Verbreitung am leichtesten von bestehenden Vorkommen ausgehen kann, beschlossen wir, auf die Suche nach geeigneten Helfern zu gehen.

 

Eine Möglichkeit bot sich auf dem Sennestadtfest am 13. und 14. Juni 2015. Wir boten Informationsmaterial an und verkauften Nistkästen. In eine ausliegende Liste konnten sich an beiden Tagen diejenigen eintragen, die unser Projekt unterstützen wollten. Vorgefertigte Naturholz-Nistkasten-Bausätze konnten direkt am Stand erworben werden. In kurzer Zeit hatten sich über zwanzig »Spatzenfreunde« eingetragen, teils um einen Bausatz direkt mitzunehmen oder einen fertigen Naturholz- Spatzen-Doppelkasten zu bestellen. Sukzessive wurden dann ab dem 23. Juni die  Nisthilfen in Sennestadt an die Besteller ausgeliefert. Hierbei entstanden interessante Gespräche über unser derzeitiges Projekt – teils an der Haustüre, auf der Terrasse oder in schnuckeligen Gärten.

 

Um unser Projekt noch bekannter zu machen, wurde ein Pressetermin anberaumt. Die Artikel der lokalen Presse brachten dann den Durchbruch: Per Anruf oder Mail gingen viele weitere Bestellungen ein, auch über Sennestadt hinaus.

 

Bau weiterer Nistkästen

Nach kurzer Sommer-Bauzeitpause schreitet zurzeit die Herstellung und Auslieferung neuer Nisthilfen fort. Denn generell nehmen Vögel die aufgehängten Nistkästen auch im Winter gerne als Schutz- und Schlafraum an. Die eigentliche Brutzeit der Haussperlinge beginnt jedoch erst im März. Sollten diese Kästen aber von anderen Vögeln wie zum Beispiel dem Kleiber genutzt werden, geht das auch in Ordnung.

 

Wolfgang Strototte

Nistkasten-Aktion

Insgesamt wurden 47 fertige Doppel-Nistkästen und 18 Bausätze verkauft. Davon sind 30 Stück in Sennestadt aufgehängt worden. Die Nistkästen wurden bis Mitte Dezember 2015 plan-mäßig an die Unterstützer dieses Pro-jektes ausgeliefert. Parallel zu dieser praktischen Arbeit lief eine einjährige Erfassung des Spatzenvorkommens in Sennestadt. Erst Mitte  Juni 2016, nach der Brutsaison, wurde sie abgeschlossen.

Erfassungsgebiet

Das Erfassungsgebiet wird im Norden von der Autobahn A2 sowie dem Senner Hellweg und im Süden von der Sender bzw. Morsestraße begrenzt. Die west-liche Grenze bildet der Dissenkamp.

Sammlung von Meldungen

Bereits ab Juni 2015 sind Mitglieder des Arbeitskreises »Natur und Wandern« auf die Suche gegangen und haben Bereiche in Sennestadt gefunden, in denen noch Haussperlinge vorkommen. Gleichzeitig wurde die ungefähre Anzahl der Vögel notiert. All diese Meldungen sind in eine Karte eingetragen worden, so dass wir einen Gesamtüberblick des derzeitigen Spatzenvorkommens im  Untersuchungs-gebiet haben.

Da man nicht jeden Spatz einzeln erfassen kann, wurden drei Kategorien festgelegt die in der Karte erklärt sind. Dieses ist zwar keine anerkannte Erfassungsmethode, aber für unser Projekt völlig ausreichend.

 

Auswertung

Nach der Brutsaison 2015 bzw. Ende des Jahres konnte bereits eine erste Auswertung der gesammelten Daten vorgenommen werden.

So ergibt sich eine Anzahl von mindestens 55 und maximal 115 Exemplaren. In Brutpaaren also mindestens 27 und maximal 57 (Durchschnitt 42).

Diese Zahlen sind eher niedrig angesetzt, aber realistisch. Wie der Bestand nach der Brutsaison 2016 und nach unserer Nistkastenaktion aussieht bleibt abzuwarten.  Auf weitere Rückmeldungen der Spatzenliebhaber, wie unsere Kästen angenommen wurden, sind wir gespannt.

 

Zusammenfassung

Ausgangspunkt für unseren Arbeitskreis war, dass Spatzen nur inselartig in Sennestadt vorkommen.

Eben aus diesem Grunde haben wir das Spatzenprojekt gestartet. Es bestand aus drei Teilen:

  • Allgemeine Informationen über Spatzen
    für unser Team (Film);
  • Aufhängen zusätzlicher Nistkästen in Spatzengebieten;
  • Sammlung von Spatzenvorkommen im Erfassungsgebiet.

Aufgrund der Flächennutzung in Sennestadt lässt sich im Nachhinein erkennen, dass Sennestadt kein Spatzengebiet ist. Von der Gesamtfläche von 24,79 qkm ist die Hälfte Wald, der für den Haussperling als Biotop nicht geeignet ist. Dasselbe gilt für Gewässer. Öffentliche Gebäude sind weitestgehend energetisch saniert und ebenfalls nicht spatzenfreundlich. Lediglich Gartenbesitzern mit Liebe zur Natur und einem Hang zum nicht perfekten Garten ist es gelungen die Population stabil zu halten.

 

Wolfgang Strototte